Wohnen und Arbeiten auf dem früheren Wintershall-Dea-Areal
Überseering 40
Laut Recherchen des NDR tut sich offenbar etwas im ehemaligen Wintershall-Dea-Haus am Überseering 40. Das seit 2023 leerstehende, denkmalgeschützte Gebäude soll grundsätzlich revitalisiert werden. Klar ist bereits: Auf dem nördlichen Teil des Grundstücks wird ein rund 60 Meter hoher Wohnturm errichtet, wie der Eigentümer Becken mitteilt.
Die Becken Development GmbH erwarb das ehemalige Wintershall-Dea-Haus am Überseering 40 im Jahr 2021, kurz nachdem das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt worden war. In den Jahren 2023/24 fand ein nichtöffentliches Werkstattverfahren zur Entwicklung des Gebäudes und des gesamten Areals statt, dessen Ergebnis seit April 2024 vorliegt.
Seither steht fest, dass auf dem nördlichen Teil des Grundstücks ein rund 60 Meter hoher Wohnturm mit bis zu 180 Wohnungen entstehen soll, davon 35 Prozent öffentlich gefördert. Als Sieger ging der Entwurf des renommierten Londoner Architekturbüros Caruso St. John Architects hervor. Der Turm wird auf der Nordwestecke des Areals realisiert und korrespondiert in seiner Gestaltung mit dem Bestandsgebäude.
Im Erdgeschoss des Wohnturms ist die Ansiedlung einer gemeinnützigen Bildungs- und Förderinstitution für hochbegabte Kinder und Jugendliche vorgesehen. Der bisher vorhandene Parkplatz wird im Zuge der Entwicklung zurückgebaut und durch neu gestaltete Freiflächen ersetzt, die in das landschaftsplanerische Gesamtkonzept der City Nord eingebunden werden.
Die Realisierung des Projekts basiert auf einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan, den das Bezirksamt Hamburg-Nord angestoßen hat. Die weitere städtebauliche Planung erfolgt in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden, während St. John Architects die Entwurfsplanung für den neuen Wohnturm übernimmt.
„Die Nutzung des Grundstücks unmittelbar an der zukünftigen U5-Station für den Wohnungsbau entspricht zu 100 Prozent der wohnungspolitischen Zielsetzung, innerstädtische Wohnungsbaupotenziale zu heben“, sagt Jens Hogekamp, Geschäftsführer der Becken Development.
Auch Sandra Meyer, Leiterin Wohnen bei Becken Development, betont die städtebauliche Dimension des Projekts: „Durch den Rückbau der oberirdischen Parkplatzfläche und die Schaffung von begrünten Freianlagen leistet das Projekt einen Beitrag zur stadträumlichen Neuausrichtung des Quartiers, das verstärkt auf Wohnnutzung und urbanes Leben ausgerichtet wird.“ Der Entwurf von Caruso St. John füge sich dabei „hervorragend in die Struktur der City Nord“ ein.
Gleichzeitig wird über eine potenzielle Nutzung des leerstehenden Bestandsgebäudes diskutiert. Dem NDR zufolge zeigt der Senat Interesse, das Gebäude als stadteigenes Hygiene-Institut zu nutzen. In diesem Fall würde der geplante Neubau in Rothenburgsort nicht realisiert werden, obwohl dafür bereits sechs Millionen Euro für Planung und Architektenwettbewerb investiert worden waren.
Eine Veröffentlichung des gesamten Projekts am Überseering 40 verzögerte sich, da auch nach dem Werkstattverfahren Details zur Revitalisierung des denkmalgeschützten Wintershall-Dea-Hauses geklärt werden müssen. Experten sehen die Umsetzung als anspruchsvoll an, da die Gebäudestruktur mit großen Raumtiefen und begrenztem Lichteinfall gewisse Einschränkungen mit sich bringt.