Überseering 35

Gestaltung der Ebene + 1

Die Ebene +1 ist eines der markantesten Elemente der City Nord – und zugleich ein Ort mit großem, bislang ungenutztem Potenzial. Was einst als reine Fußgängerebene geplant wurde, soll künftig mehr sein als eine Verbindung zwischen Gebäuden: ein attraktiver Stadtraum mit Aufenthaltsqualität.

Aktuelle Ansicht der Ebene + 1 vor dem Bürohaus Überseering 35.

Die erhöhte Fußgängerebene entstand in den 1960er Jahren als Teil des Leitbilds der autogerechten Stadt. Rund fünf Meter über dem Straßenniveau verbindet sie im Westen der City Nord die Unternehmensgebäude und trennt den Fußverkehr vom Autoverkehr. Anders als im Norden, wo das System nie vollständig realisiert wurde, funktioniert die Ebene im Westen bis heute, da die Haupteingänge der Gebäude direkt an sie angeschlossen sind. Seit 2013 stehen die Plateaus und Brücken als Teil der denkmalgeschützten City Nord unter Schutz.

Ursprünglich war eine grüne Gestaltung mit Pflanzkästen vorgesehen. Realisiert wurde sie jedoch nur in Ansätzen. Bis heute prägen Betonflächen, Treppen und Rampen das Bild. Die Ebene erfüllt ihre Funktion als Verkehrsweg, bietet jedoch kaum Möglichkeiten zum Verweilen oder Begegnen.

Genau hier setzt der studentische Realisierungswettbewerb „C.N. +1“ an, den die GIG City Nord GmbH gemeinsam mit der HafenCity Universität Hamburg zum Sommersemester 2025 ausgelobt hat. Ziel ist es, die Außenerschließungsebene im Westen der City Nord gestalterisch aufzuwerten und einen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Das Besondere: Der Siegerentwurf soll realisiert werden.

Der Wettbewerb greift damit die aktuelle Entwicklung der City Nord auf. Mit neuen Wohnprojekten wie dem Quartier „Ipanema“ wandelt sich das ehemalige Leitbild der „Bürostadt im Grünen“ zu einem gemischt genutzten Stadtquartier. Wohnen, Arbeiten und Freizeit rücken näher zusammen – und damit steigen auch die Anforderungen an den öffentlichen Raum. Trotz ihres hohen Grünanteils fehlt der City Nord bislang einladender Stadtraum für Aufenthalt und Begegnung.

Im Mittelpunkt der ersten Umsetzung steht die Ebene +1 vor dem Gebäude Überseering 35, der ehemaligen Shell-Zentrale. Gesucht wurden innovative Konzepte für Bereiche zum Verweilen, Erholen, Spielen und Informieren, die sich sensibel in das denkmalgeschützte Ensemble einfügen. Dabei wurde bewusst auf leichte, reversible Konstruktionen gesetzt, um den Anforderungen des Denkmalschutzes und den Prinzipien des zirkulären Bauens gerecht zu werden.

Der Wettbewerb war zweiphasig angelegt: Auf einen Ideenentwurf mit Zwischenpräsentation folgte eine vertiefte Ausarbeitung mit Schwerpunkt auf der Realisierbarkeit. Die Jury traf ihre abschließende Entscheidung am 3. Juli 2025.

1. Preis: "Raumfragmente" von Svea Asmussen und Eva Otto

Siegesentwurf: "Raumfragmente" von © Svea Asmussen und Eva Otto.

Der Entwurf „Raumfragmente“ überzeugt mit einer skulpturalen, raumbildenden Installation, die sich sensibel in den Bestand einfügt und zugleich eigenständige gestalterische Akzente setzt. Sie setzt Orientierungspunkte und inszeniert gezielt Ausblicke in die Umgebung.

Zentrales Element sind orthogonal verschränkte Stahlrahmen, die neue, offene und durchlässige Räume definieren. Zwischen ihnen gespannte Seile schaffen geschützte Bereiche, Sichtbezüge und vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten. Sitz- und Tischelemente laden zum Verweilen ein, während die Seile zugleich als Rankhilfen für Begrünung dienen und so gestalterische mit ökologischen Qualitäten verbinden.

Insgesamt überzeugt der Entwurf durch seine künstlerische und architektonische Qualität: Die linearen Rahmen dekonstruieren das Motiv des Hauses, eröffnen neue Perspektiven und ermöglichen vielfältige Nutzungen aus allen Richtungen.

Bauherrin  GIG City Nord GmbH

Entwurf  Svea Asmussen, Eva Otto - Studentinnen an der HCU

Realisierung geplant   2026/27

2. Platz: "Buntes Band" von © Michèle Armbrecht
3. Platz: "Folly-Nord" von © Enver Can Kabaran und Indra Westmann

Fachpreisrichter:
Prof. Lothar Eckhardt – HCU
Tina Bremer M.A. Architektur – HCU-Lehrbeauftragte
Jannes Wurps – Geschäftsführer blrm Architekt*innen GmbH
Hans-Peter Boltres – Dezernent Wirtschaft, Bauen und Umwelt des Bezirksamts Hamburg-Nord
Christoph Bartsch – Städtebauliche Denkmalpflege, Denkmalschutzamt

Sachpreisrichter:
Ralf Heuss, Leiter Facility Management Hamburg der ERGO und Geschäftsführer der GIG City Nord GmbH
Uwe Mohrmann (in Vertretung für Ralf Heuss), ehem. Geschäftsführer der GIG City Nord GmbH
Martin Schaer – Geschäftsführer MATRIX Development GmbH
Sylvia Soggia, Projektmanagement i. A. der GIG City Nord GmbH